Altersdiskriminierung im Arbeitsmarkt

«Ich bin über fünfzig - keine Chance», dies ist die weit verbreitete Meinung von Stellensuchenden ab der Lebensmitte. Sich mit 50+ erfolgreich beruflich neu zu positionieren ist nicht leicht, aber auch nicht unmögl

Sich im Alter von über fünfzig Jahren beruflich neu zu positionieren, ist nicht unmöglich. (Bild: Fotolila)

Sich im Alter von über fünfzig Jahren beruflich neu zu positionieren, ist nicht unmöglich. (Bild: Fotolila)

von Regula Zellweger



Der Prozentsatz der Arbeitnehmenden über fünfzig steigt kontinuierlich, zudem soll das Rentenalter erhöht werden. Immer mehr Erwerbstätige 50+ werden ihren Platz in der Arbeitswelt länger behalten, viele einen Jobwechsel vollziehen wollen oder müssen. Die Studie «Segment plus» der Zürcher Hochschule für angewandte Wissenschaften und des Beratungsunternehmens Tamandua belegt, dass 77 Prozent der über 500 befragten Arbeitnehmenden zwischen 50 und 65 Jahren in der Deutsch- und der Westschweiz bei einer beruflichen Neuorientierung Altersdiskriminierung erwarten.



Auf mehreren Ebenen ansetzen


Diese Zahl spricht Klartext. Während sich die wichtigen Player auf dem arbeitspolitischen Parkett für ein Verbot von Altersangaben in Stelleninseraten stark machen und so auch dem Fachkräftemangel entgegenwirken wollen, muss man auch auf zwei weiteren Ebenen ansetzen: Bei den Führungskräften und HR-Verantwortlichen in Unternehmen sowie bei den Betroffenen selbst, die sich der Frage stellen müssen: «Was haben Sie bisher für ihre Arbeitsmarktattraktivität getan?»
Es gibt viele Erwerbstätige, die mit weit über sechzig erfolgreich im Berufsleben stehen: Konzernchefs, Politiker, VIPs und Selbständigerwerbende. An ihnen soll man sich orientieren und fragen: «Wie denken, fühlen und handeln sie anders, als Personen, die oft frustriert möglichst früh aus dem Erwerbsleben austreten wollen?»



Bewusste Laufbahngestaltung


Ein Stellenverlust ist für viele eine existenzielle Bedrohung. Zahllose Absagen auf Bewerbungen können sich auf die physische und psychische Gesundheit auswirken. Doch was tun Betroffene selbst kontinuierlich für ihre Positionierung im Arbeitsmarkt?
Faktoren, die zur Arbeitsmarktattraktivität beitragen, basieren auf einer grundsätzlich positiven Grundeinstellung zur Arbeit. Wer einen Sinn darin sieht, jeden Tag zur Arbeit zu gehen, hat eine andere Ausstrahlung als jemand, der Arbeit generell negativ konnotiert.
Ein weiterer Faktor ist die Weiterbildung. Heute geht es nicht mehr ohne stete, auf eine erfolgreiche Berufslaufbahn abgestimmte Weiterbildung. Wer genau weiss, welche beruflichen Ziele er verfolgt und dafür Eigenverantwortung übernimmt, kann sich überzeugend im Arbeitsmarkt verkaufen. Wer sich stetig gut vernetzt, hat bei einer Stellensuche über fünfzig mehr Chancen, denn viele Stellen gehen unter der Hand weg.



Arbeitswelt für alle


Bei Personalselektionen dürfen Bewerber nicht mehr wegen ihres Alters automatisch auf Stapel C kommen. Jobs sollen aufgrund der fachlichen Kompetenzen und der Persönlichkeit der Bewerber vergeben werden. Das heisst nicht, dass Ältere den Vorzug haben sollen, aber eine faire Chance. Erfahrung muss mehr als bisher wertgeschätzt werden. Nicht akzeptabel sind elektronische Filter bei Bewerbungseingängen, die bewirken, dass Bewerber ab einem bestimmten Alter automatisch eine Absage erhalten.
Der Übergang vom Erwerbsleben in die Pensionierung soll gleitend stattfinden können. Arbeitspensen sollen dabei mit zunehmendem Alter reduziert und Verantwortung stufenweise abgegeben werden können. So kann auch auf Erfahrung basierendes Wissen weitergegeben werden. Die Tatsache, dass unsere Gesellschaft aus demografischen Gründen immer älter wird, darf den Jugendlichkeitswahn nicht verschärfen.
Der Altersdiversität in Teams muss genauso Rechnung getragen werden wie der Tatsache, dass Menschen heute länger leistungsfähig bleiben und dass das Durchschnittsalter generell gestiegen ist - und künftig noch weiter steigen wird. Wir können es uns als Gesellschaft bald nicht mehr leisten, auf die motivierte Mitarbeit von älteren Erwerbstätigen zu verzichten - umdenken muss man jetzt.


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG


Weiterführende Informationen:
bdag.ch/shop


(Erstellt: 30. Juni 2018)

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