Sauberes Wasser für Äthiopien – dank Solarstrom

Der Elektroingenieur Biruk Nigussie hat während eines Praktikums in der Schweiz die Grundlagen der Solartechnik erlernt. Nun saniert er eine Wasserversorgung im äthiopischen Hochland.

Biruk Nigussie zusammen mit Anthony Marrella und Elfinesh-Präsident Clemens Sieber (v.l.). (Bild: FHNW)

Biruk Nigussie zusammen mit Anthony Marrella und Elfinesh-Präsident Clemens Sieber (v.l.). (Bild: FHNW)

von Sandro Nydegger


Er wirkt schüchtern, aber interessiert: Biruk Nigussie lauscht aufmerksam den Erklärungen von Anthony Marrella. Der Assistent an der Hochschule für Technik FHNW steuert das Test-Solarmodul auf dem Campus Brugg-Windisch. Biruk Nigussie ist kein normaler Student aus der Schweiz: Er hat sein Elektrotechnik-Studium an der Universität von Addis Abeba, der Hauptstadt Äthiopiens, abgeschlossen. In einem zweimonatigen Praktikum an der FHNW vertieft sich der afrikanische Gast in Solar- und Pumpentechnik.


Wasser für 15'000 Menschen


Der Besuch von Biruk Nigussie hat seinen Ursprung bei einer Anfrage des Vereins Elfinesh aus Zürich. Das kleine Hilfswerk hat im äthiopischen Hochland eine Schule samt Wasserversorgung aufgebaut. Was ursprünglich dafür gedacht war, Schulkindern saubereres Wasser zum Trinken und Waschen zur Verfügung zu stellen, versorgt heute 15'000 Menschen in der Umgebung. Die alten Wasserpumpen und überdi­mensionierten Dieselgeneratoren führen aber zu hohen Betriebskosten. Das Hilfswerk hat deshalb Energie- und Umwelttechnik-Studierende der FHNW beauftragt, Konzepte zur Sanierung der Wasserversorgung aufzustellen.


Ausbildung mit Praxisbezug


Praxisprojekte sind für die Studierenden der Hochschule für Technik FHNW normal – jedes Semester realisieren sie mit Partnern aus der Wirtschaft und Gesellschaft Auftragsarbeiten. «Man geht aus dem Klassenzimmer in die reale Welt», sagt Dozentin Karen Schrader, «das sind wichtige Erfahrungen». Ein Projekt in Äthiopien ist aber dennoch aussergewöhnlich. Entsprechend motiviert gingen die Studierenden ans Werk. Ein Student reiste sogar nach Afrika, um sich vor Ort ein Bild der Situation zu machen. Die Lösung der zukünftigen Energie- und Umweltingenieure: Kleinere Pumpen sollen weniger Energie verbrauchen und Solarpanels sollen die Abhängigkeit von Diesel reduzieren sowie die CO2-Emissionen senken.
Als Projektleiter in Äthiopien stellte der Verein Biruk Nigussie an. Frisch von der Universität sollte der junge Elektroingenieur das Konzept der Studenten vor Ort umsetzen. Um sich für die Aufgabe vorzubereiten, bildete sich Biruk Nigussie an der FHNW weiter.


Praktikum in der Schweiz


Neben theoretischem Wissen vermittelten die FHNW-Dozenten dem äthiopischen Gast auch praktisches Know-how: Er half bei Reinigungsarbeiten in der Wasserversorgung Obersiggen­thal, montierte Solarmodule auf einem Hausdach in Dottikon und besuchte Pumpenhersteller. Dabei lernte der junge Äthiopier die Schweiz und ihre Arbeitswelt kennen. «Es war eine grossartige Erfahrung», sagt Biruk Nigussie, «ich bin sehr beeindruckt von der Effizienz und dem Zeitmanagement».
Die Schweizer seien sehr verbunden mit ihrer Arbeit, und das Arbeitsklima sei freundlich. «Die Menschen begegnen einander mit Respekt», stellte er fest. «Das gefällt mir». Er habe so nicht nur technisches Know-how erworben, sondern auch die Grundlagen eines erfolgreichen Arbeitsablaufs gelernt.
Biruk Nigussie ist zuversichtlich, dass er die Wasserversorgung erfolgreich sanieren wird, weiss aber auch, «dass es sehr wenige Ersatzteile gibt in Äthiopien». Die Komponenten müssen also wohlüberlegt ausgewählt werden. Der Elektroingenieur ist sich sicher: «Wir werden mehr improvisieren müssen, als das in der Schweiz nötig wäre.» In Äthiopien hat der junge Ingenieur inzwischen eine zusätzliche Weiterbildung bei der Sahay Solar Association erfolgreich abgeschlossen.


Neue Projekte gestartet


Auch Dozentin Karen Schrader zieht eine positive Bilanz. Bereits wurden neue Projekte in Afrika gestartet: Mit Unterstützung einer Schweizer Stiftung beraten die Ingenieure den Aufbau einer Bäckerei in Gambia aus energietechnischer Sicht. Künftig sollen laut Schrader mehr solche internationale Know-how-Transfers durchgeführt werden: «Wir halten Ausschau nach weiteren Projekten und sind froh, wenn sich Interessenten bei uns melden.»


Quelle: Tages-Anzeiger, Beilage BILDUNG


Weiterführende Informationen:
www.elfinesh.ch


(Erstellt: 1. Juni 2018)

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