Grosse Verantwortung – bescheidende Löhne

Im Gesundheitswesen zeichnet sich ein Pflegenotstand ab. Neben zu wenig Ausbildungsplätzen sind auch schwierige Arbeitsbedingungen dafür verantwortlich – und nicht gerade attraktive Vergütungen.

Hochspezialisierte Pflegefachleute, zum Beispiel im Operationssaal, sind etwas besser entlohnt. (Bild: Fotolia)

Hochspezialisierte Pflegefachleute, zum Beispiel im Operationssaal, sind etwas besser entlohnt. (Bild: Fotolia)

von AKV


Die Anforderungen an Pflegende und an ihr Fachwissen sowie die Verantwortung, die sie zu tragen haben, sind massiv gestiegen: Mehr als 70 Prozent des Pflegepersonals in Spitälern beispielsweise haben heute Diplome von Höheren Fachschulen (HF) oder Fachhochschulen (FH). Zudem zeichnet sich ein Pflegenotstand ab. Es wird schwieriger, genug qualifiziertes Personal zu finden, obwohl 40 Prozent aller neu angestellten Fachleute aus dem Ausland stammen: Ende 2017 gab es im Gesundheitswesen 7673 offene Stellen – ein Rekord. Anfang 2018 waren allein beim Universitätsspital Zürich 167 Stellen ausgeschrieben, davon 100 im Pflegebereich. Und weil die Bevölkerung immer älter wird, wird der Bedarf an Pflegepersonal in den nächsten Jahrzehnten rapide steigen. Dafür werden viel zu wenig Fachleute ausgebildet.


Löhne halten nicht mit


Kommt hinzu, dass die Arbeitsbedingungen alles andere als rosig sind: Personalmangel, Stress, Überstunden, die nie kompensiert werden können. Auch die Entlohnung kann mit den Anforderungen nicht mithalten. Richtet man sich nach dem Lohnbuch 2018 des Zürcher Amtes für Wirtschaft und Arbeit (AWA) sowie den einschlägigen Webseiten (siehe Box), können grob vier Kategorien ausgemacht werden (Bruttolöhne, jeweils auf eine 100%-Stelle berechnet):


  • Pflegeassistentinnen und -assistenten mit SRK-Ausweis kommen auf 40'000 bis 50'000 Franken pro Jahr.
  • Mit um die 60'000 Franken können Arzthelferinnen und -sekretärinnen, Praxisassistentinnen und Dentalhygienikerinnen rechnen. Ähnliche Löhne werden in der Altenpflege bezahlt.
  • Diplomierte Physiotherapeutinnen und -therapeuten, Pflegefachleute und Hebammen mit HF-Diplom bekommen knapp 70'000 bis gegen 80'000 Franken.
  • Hochspezialisiertes Pflegepersonal (z.B. in der Anästhesie) sowie Pflegedienstleiterinnen und Pflegedienstleister mit FH- oder HF-Abschluss liegen zwischen knapp 90'000 und gut 100'000 Franken.


Yvonne Ribi, Geschäftsführerin des Berufsverbandes der Pflegefachleute SBK, weist allerdings darauf hin, dass es grössere regionale Unterschiede gibt. Und sind die Löhne bei öffen­t­lichen Anstellungen und dort, wo Gesamtarbeitsverträge herrschen, klar geregelt, so sind sie «bei privatrechtlichen Anstellungen Verhandlungssache».


Lohngleichstellung gewährleistet


Immerhin bestehen «geschlechterspezifische Lohnunterschiede innerhalb der gleichen Funktionen in der Pflege wahrscheinlich kaum mehr», hält Yvonne Ribi fest. Trotzdem musste der Verband diverse Gleichstellungsklagen führen. Denn in manchen Kantonen gab es auffallende Unterschiede zwischen den Löhnen von Pflegenden («typischer Frauenberuf») und von Staatsangestellten in «typischen Männerberufen» mit ähnlicher Belastung.
Gerichtsentscheide erzwangen vielerorts Anpassungen. So musste der Kanton Zürich nach einem Urteil des Verwaltungsgerichts 2001 die Monatslöhne für Pflege-und Therapiepersonal um 500 bis 1000 Franken anheben. Gemäss dem damaligen Zürcher Finanzdirektor Christian Huber (SVP) verursachte das einmalige Kosten von 280 Millionen Franken und (damals) jährlich wiederkehrend von 70 Millionen.
Doch damit sind die Probleme im Gesundheitswesen, wie gesagt, nicht behoben. Um die Behörden zum Handeln zu zwingen, hat der Berufsverband SBK eine sogenannte Pflegeinitiative lanciert. Sie verlangt von Bund und Kantonen, «die Pflege als wichtigen Bestandteil der Gesundheitsversorgung» anzuerkennen; «für eine ausreichende, allen zugängliche Pflege von hoher Qualität» zu sorgen und sicherzustellen, dass genügend Fachleute zur Verfügung stehen. Die Unterschriftensammlung seit Mitte Januar hat bereits die notwendige Anzahl Unterschriften erbracht.


Quelle: Tages-Anzeiger, Beilage BILDUNG


Weiterführende Informationen:
www.lohncheck.ch


(Erstellt: 28. Mai 2018)

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