Banken kommen auf die Frau

Das Privatvermögen in Frauenhand nimmt weltweit zu. Banken haben das Potenzial von Kundinnen längst entdeckt. Ihre Strategien beim Umwerben von Frauen sind jedoch unterschiedlich.

Man müsse die Kundinnen kennen, um auf sie eingehen zu können, sagt Sandra Huber-Schütz, Managing Director Wealth Management der UBS. (Bild: ZVG)

Man müsse die Kundinnen kennen, um auf sie eingehen zu können, sagt Sandra Huber-Schütz, Managing Director Wealth Management der UBS. (Bild: ZVG)

von Karin Meier


Frauen besitzen fast ein Drittel des weltweiten Privatvermögens. Tendenz steigend: Ihr Vermögen nimmt angeblich jährlich um sieben Prozent zu und wächst damit stärker als jenes von Männern. Die Zahlen stammen aus der Studie «Global Wealth», die von der Boston Consulting Group jährlich veröffentlicht wird.
Gründe für den Vermögenszuwachs gibt es mehrere: Frauen sind häufiger erwerbstätig und machen öfters Karriere, sei es als Unternehmerin oder als Kadermitarbeiterin. Ausserdem erben viele Frauen mehrmals: von den Eltern und vom Ehemann, den sie oft überleben.


Frauen entscheiden mit


Zum steigenden Wohlstand gesellt sich die Tatsache, dass Frauen viele Finanzentscheide in der Familie zumindest mitbestimmen. Beides macht Frauen für Banken attraktiv. Diese bemühen sich auf unterschiedliche Art um sie. Einige Banken wie die Migros Bank haben keine geschlechterspezifische Strategie, sondern gehen in ihrer Beratung auf die individuelle Lebenssituation und die persönlichen Anliegen ein. Dies gilt auch für die Zürcher Kantonalbank, die allerdings für Frauen Networking-Anlässe zu bestimmten Themen ausrichtet.
Andere Finanzunternehmen sprechen Frauen expliziter an. Die Bank Cler (vormals Bank Coop) zum Beispiel hat bereits 2001 das frauenspezifische Angebot «Eva» lanciert. Es beinhaltet auf Frauen zugeschnittene Finanzberatung, Wissensvermittlung, Förderung sowie Networking-Anlässe und wird derzeit überarbeitet.
In dieselbe Richtung zielt das Programm Unique, das die UBS Anfang 2017 lanciert hat. Der Fokus liegt auf den besonderen weiblichen Bedürfnissen. Zwar betont auch die UBS die Individualität jedes Kunden und jeder Kundin sowie die Notwendigkeit, sich auf die jeweilige Lebenssituation und die persönlichen Anliegen einzustellen. Doch Frauen hätten aufgrund ihrer Biografie oft andere Bedürfnisse als Männer, sagt Sandra Huber-Schütz, die das Programm in der Schweiz leitet. «Die meisten Frauen, die Mütter werden, reduzieren ihr Pensum zumindest vorübergehend. Dies und ihre Neigung zu eher defensiven Anlagestrategien mit einem vergleichsweise geringen Aktienanteil wirken sich auf ihr Einkommen und ihr Vermögen nachteilig aus. Gleichzeitig ist die Lebenserwartung von Frauen höher, sodass sie mehr Vermögen benötigen», so Huber-Schütz. Dieser Umstände müsse man sich im Beratungsgespräch bewusst sein, nur so könne man sie auch in ein Finanzkonzept überführen.


Spezifische Bedürfnisse


Die UBS richtet sich zum einen direkt an Frauen, denen zum Beispiel Workshops zu Vorsorge und Vermögensplanung angeboten werden. Dabei werden nachhaltige Anlagen thematisiert, da viele Frauen auf diesen Aspekt Wert legen. Weiter führt die Bank Vorträge und Networking-Anlässe explizit für Frauen durch. Mit dem Programm Unique werden Kundenberaterinnen und -berater geschult, um sie für die spezifischen Kundenbedürfnisse zu sensibilisieren.


Frauen unter sich


Die Initiative komme bei den Kundinnen und den Mitarbeitenden gut an, sagt Sandra Huber-Schütz. Insbesondere die Workshops, bei denen Frauen unter sich diskutieren könnten, seien sehr beliebt. Sandra Huber-Schütz führt dies darauf zurück, dass Frauen den Austausch mit anderen Frauen schätzten. Zudem seien sie mit zunehmendem Vermögen stärker daran interessiert, Wissen und Kompetenzen zu erwerben, um eigenständige Finanzentscheide treffen zu können.
Der UBS wiederum bietet Unique die Gelegenheit, mit potenziellen Kundinnen ins Gespräch zu kommen, diese besser kennenzulernen und zu binden. Die Kundinnen werden für die Bank damit sichtbarer. Auch das ist ein Ziel der UBS, sagt Sandra Huber-Schütz: «Nur wenn wir unsere Kundinnen kennen, können wir optimal auf sie eingehen.»


Quelle: Tages-Anzeiger, Beilage BILDUNG


(Erstellt: 31. Mai 2018)

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