Chancengleichheit soll nicht am Geld scheitern

In der Schweiz herrscht eigentlich Chancengleichheit. Auch in der Bildung. Trotzdem kriegt nicht jeder die Bildung, die seinem Potenzial entspricht. Das ist unter anderem eine Frage des Geldes.

Die Nachfrage nach Bildungsunterstützung in Situationen, in denen es keine privaten oder staatlichen Gelder gibt, steigt.

Die Nachfrage nach Bildungsunterstützung in Situationen, in denen es keine privaten oder staatlichen Gelder gibt, steigt.

von Esther-Mirjam de Boer


Die Finanzierung eines Studiums wird normalerweise aus eigenen Mitteln, mit Geld der Eltern oder, für die wirtschaftlich Schwächeren, allenfalls mit kantonalen Stipendien und anderen Fördergeldern geleistet. Während Berufslehren werden die Jugendlichen über den Lehrlingslohn hinaus mehrheitlich von ihren Eltern finanziert. Weiterbildungen werden von Berufsleuten in der Regel aus der eigenen Tasche oder aber vom Arbeitgeber bezahlt.
Damit ist das Netz der Bildungsfinanzierung in der Schweiz grob umschrieben. Rückzahlbare Bildungsdarlehen kennen wir noch kaum, und hochverzinste Studienkredite, wie in Amerika üblich, sind hierzulande mit gutem Grund verpönt. Doch über die oben beschriebenen Felder hinaus, entsteht eine wachsende Nachfrage nach Bildungsunterstützung in Lebenssituationen, für die es keine privaten oder staatlichen Gelder gibt.


Private Darlehensgeber


Für diese vielfältigen Einzelfälle wurde die Stiftung Educa Swiss ins Leben gerufen, die Schweizerische Stiftung für Bildungsförderung und Finanzierung. Sie kommt dann zum Zug, wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind, oder nicht zur Verfügung stehen. Educa Swiss coacht Menschen mit konkreten Bildungsplänen und führt eine Plattform für private Darlehensgeber.
Einer der von Educa Swiss gecoachten jungen Menschen äussert sich so zu seiner Situation: «Meine Eltern und Lehrer sagten, ich soll das KV machen. Jetzt hab ich den Lehrabschluss, doch ich fühle mich bei der Arbeit nicht wohl. Ich würde lieber ein Handwerk machen. Ich brauche die Arbeit mit den Händen. Mein Vater war dagegen – er will, dass ich eine ‹saubere› Arbeit habe. Meine Eltern können und wollen keine zweite Lehre bezahlen. Sie verstehen mich nicht. Ich habe mich erkundigt: Stipendien gibt es keine, ich habe ja einen Beruf. Ich glaubte, dass ich 30 000 Franken brauche, um die zweite Lehre durchzuziehen ohne die Eltern. Das ist ein Riesenhaufen Geld, und dann habe ich viele Schulden.»


Viele Studienabbrüche


«Fast hätte ich aufgegeben», fährt er fort: «Mit meinem Coach von Educa Swiss habe ich einen konkreten Plan gemacht. Ich komme mit 18 000 Franken aus, das weiss ich jetzt. Ich konnte über die Plattform zwei Leute finden, die mir das Geld leihen. Dass die an mich glauben, gibt mir total Schub. Ich habe sie persönlich kennengelernt, und ich fühle mich verantwortlich, das Geld auch wieder zurückzuzahlen – das sind ganz normale Leute, die mir da helfen, keine Bonzen. Ich find es ok, dafür Zins zu zahlen, aber viel weniger als auf der Bank. Ich bin jetzt voll motiviert und kann mir gut vorstellen, danach berufsbegleitend noch die Fachhochschule zu machen.»
Die Daten sprechen eine deutliche Sprache: Eine aktuelle Untersuchung zu fehlgeleiteten Ausbildungen zeigt, dass mehr als ein Viertel der Universitäts- und Fachhochschulstudien in der Schweiz abgebrochen werden.
Irreführende Vorstellungen zum Fach und Berufsbild sowie Unklarheit über die eigenen Talente und Vorlieben sind die Hauptgründe, danach folgen ungenügende Leistungen, zu wenig Geld und mangelnder Rückhalt von zu Hause. Je nach Berechnung kostet diese Ineffizienz im Bildungssystem allein auf dieser Stufe unsere Volkswirtschaft jährlich 300-800 Millionen Franken.


Unentgeltliches Coaching


Dies will Educa Swiss verringern helfen. So ist eine der zentralen Leitfragen im persönlichen Beratungsprozess vor einer Finanzierung: Ist der Bildungsplan umsetzbar? Dies wird mit unentgeltlich arbeitenden Coaches geklärt. Die Beratung ist Voraussetzung für ein Bildungsdarlehen. Dabei werden die entscheidenden Faktoren geklärt, damit sich die Ratsuchenden im für sie richtigen Beruf, auf dem richtigen Bildungsniveau ausbilden und dazu einen tragbaren Finanzplan inklusive Abzahlung erstellen.
Die Stiftung ist als Plattform mit ergänzenden Leistungen zu gängigen Fachberatungen zu verstehen. Stellt sich im Coaching heraus, dass die Vorstellungen zur Ausbildung und den Berufsaussichten illusorisch sind, dann wird der Antragsteller zur Studienberatung geschickt.


Rigide Vorbereitung


Sollte der Antragsteller bereits viele Schulden aufgehäuft haben, dann werden konkrete Ergebnisse aus einer Schuldenberatung zur Voraussetzung gemacht. Falls der Antragsteller den Bildungsplan mehr wegen der Eltern oder anderer Beeinflusser verfolgt als aus eigener Motivation, dann wird der Besuch eines Berufsberaters empfohlen. Und schliesslich: Sollte der Antragsteller bisher noch nicht den Mut aufgebracht haben, solvente Verwandte oder die Stipendienstelle um eine finanzielle Unterstützung zu bitten, wird er darin unterstützt.
Dank dieser rigiden Vorbereitung stellt die Stiftung sicher, dass alle anderen Möglichkeiten ausgeschöpft sind und die Zinsbelastung für den noch fehlenden Betrag möglichst klein gehalten wird. Damit und dank dem vorangegangenen Coaching sollten die geförderten Ausbildungen wesentlich weniger häufig abgebrochen werden als im schweizerischen Durchschnitt.
Ein weiterer Erfahrungsbericht: «Wenn ich mal wieder total an mir zweifle und den Bettel am liebsten hinschmeissen würde, nehme ich mein Coaching-Dossier heraus und lese meinen Plan und die Motivation, weshalb ich das alles mache. Das beruhigt und fokussiert mich. Danach habe ich wieder die Energie weiterzumachen. Die Ausbildung ist ja mit so vielen Entbehrungen verbunden: so viel Arbeit und so wenig Geld! Ich bin froh, dass ich die Beratung bei Educa Swiss gemacht habe, so habe ich einen Kompass für die nächsten vier Jahre.»


Suche nach der besten Lösung


Das Konzept von Educa Swiss ist darauf ausgelegt, Bildung zu ermöglichen, und das bedeutet erst im letzten Schritt die Finanzierung. Rund die Hälfte der online Angemeldeten erhalten über die Webseite und die systematische Arbeit an ihrem Bildungsplan nützliche Hinweise und organisieren sich anderweitig. Von der zweiten Hälfte, die nach der Online-Bearbeitung den Coaching-Prozess starten, kommen etwa 20 % im Verlauf der Beratung auf eine Lösung, die sie ohne weitere Unterstützung durch die Stiftung umsetzen können. Bei den verbleibenden 40 % wird das Budget soweit konkretisiert, dass der ursprüngliche Finanzbedarf in vielen Fällen erheblich gesenkt werden kann.
Als letzter Schritt zur Umsetzung folgt die Suche nach geeigneten Darlehensgebern. Im Netzwerk von Educa Swiss sind viele Privatpersonen und Stiftungen, die Bildungsdarlehen vergeben wollen und auf den professionellen Beratungs- und Filterprozess der Stiftung vertrauen, um ihre Risiken eingrenzen und abschätzen zu können.
Hier äussert sich einer von ihnen: «Ein Teil meines Geldes ist bei Menschen in Ausbildung wirksam. Bildung ist eine der wichtigsten Ressourcen der Schweiz. Sobald ein Darlehen zurückbezahlt ist, gebe ich es dem Nächsten. Es geht mir nicht darum, damit Geld zu verdienen. Aber ich will auch keins verlieren. Ich freue mich, wenn ich jungen Menschen dank dem persönlichen Kontakt während der Ausbildung Mut machen oder einen Kontakt vermitteln kann.»


Weitgehend automatisiert


Die Online-Plattform automatisiert die Zusammenarbeit weitgehend, vom Matching über Vertragswesen und Reporting bis zum Controlling, und ermöglicht so eine flüssige Abwicklung für alle Beteiligten. So können Menschen mit einem klaren Bildungsplan trotz schwieriger Ausgangslage und dank privatem Engagement ihr Potenzial verwirklichen.


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG



Weiterführende Informationen:
www.educaswiss.ch


(Erstellt: 21. Oktober 2017)

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