Französisch lernen en passant

Weil Sprachaufenthalte immer kürzer werden und vermehrt auch Einblicke in fremde Kulturen bieten sollen, feilen die Schweizer Sprachreis­e­anbieter an neuen Angeboten. Neustes Beispiel ist «FrenchToGo».

Ideal für Sightseeing, Lebensfreude und Französischlernen: Nizza

Ideal für Sightseeing, Lebensfreude und Französischlernen: Nizza

von AFG


Der Schweizer Sprachreisemarkt ist umkämpft und stagnierte zuletzt. Hauptgrund für das ausbleibende Wachstum war und ist nicht eine sinkende Nachfrage, sondern primär die rückläufige Aufenthaltsdauer der Sprachreisenden. Während die Aufenthalte früher rund drei Monate dauerten, sind es heute gemäss führenden Anbietern im Schnitt noch vier bis acht Wochen – oder in manchen Fällen nur ein verlängertes Wochenende.
Zudem vermischen sich die sprachlichen Ziele der Kundschaft immer mehr mit dem Bedürfnis, Land und Kultur kennenzulernen. Auch soziale Komponenten spielen eine immer wichtigere Rolle. «Da die klassische Sprachreise immer mehr zur Kultur- und Bildungsreise mutiert, investieren wir viel Zeit in den Aufbau von massgeschneiderten und flexiblen Angeboten», sagt beispielsweise Claudio Cesarano, CEO des Reiseunternehmens Media Touristik AG, zu dem verschiedene Sprachreiseveranstalter wie etwa Linguista in Zürich gehören.


In Nizza getestet


Jüngstes Beispiel ist das «French-ToGo»-Angebot, welches derzeit in der französischen ­Hafenstadt Nizza getestet wird. Beim neuen Konzept von Linguista findet der Unterricht draussen statt: Die Schüler vertiefen während eines verlängerten Wochenendes nicht nur ihre Französischkenntnisse, sondern lernen auch die französische Kultur und den Lifestyle der «Niçois» besser kennen.
Insgesamt vierzehn Stunden erkunden die maximal vier Schüler mit ihrem einheimischen Lehrer die lebhafte Metropole an der Côte d’Azur. Auf dem Programm stehen unter anderem eine Stadtführung, eine Kayak-Tour und ein Pétanque-Turnier; es werden aber auch lokale Spezialitäten degustiert und Apéritifs genossen. Dies alles abseits der Touristenströme.


Grosse Erwartungen


Gemäss Claudio Cesarano ist es äusserst wichtig, dass sich Sprachreisen-Anbieter laufend mit Partnern über Trends und Kundenverhalten austauschen. So sei auch «FrenchToGo» aufgrund einer konkreten Kundenanfrage zustande gekommen. Generell sieht er das neue, kompakte Angebot als passendes Beispiel für die «Out-of-the-Box-Sprachreisen», die dem heutigen Zeitgeist entsprechen. Jüngere Kunden möchten ihre Sprachreise etwa mit kulturellen Expeditionen oder mit «Volunteering»-Einsätzen für die Lokalbevölkerung verknüpfen. Ältere werden von Angeboten wie «Englisch mit Kochen und Yoga» angesprochen.
«Gerade beruflich stark engagierte Kunden bevorzugen einen Kurzaufenthalt mit Sprachansatz, der sich auch beliebig mit einem klassischen Sprachkurs kombinieren lässt», sagt Cesarano. Dafür werde ein Top-Service erwartet, und zwar vom massgeschneiderten Zusatzprogramm bis zur passenden Gastfamilie, deren Küche auf allfällige Unverträglichkeiten Rücksicht nimmt.


Sprachschüler werden älter


Einen Grund für die wachsende Anspruchshaltung sieht Cesarano darin, dass viele Kunden im Vergleich zu früher weniger finanzielle Unterstützung von Seiten der Arbeitgeber erhalten. «Wer für seine sprachliche Weiterbildung eigene Ersparnisse anzapfen muss, fordert eher einen maximalen Mehrwert ein.» Was Cesarano ebenfalls feststellt, ist eine «spannende Entwicklung bei den Altersgruppen: Sprachschüler zwischen 30 und 50 Jahren, die früher kaum beachtet wurden, werden für die Anbieter immer wichtiger. Diese Generation hat gemerkt, dass sie weiter an ihren Sprachkenntnissen feilen muss, stellt aber auch spezielle Anforderungen an Schule, Destination und Unterkunft.»
Um Sprachkenntnisse zu vertiefen, müsse man nicht unbedingt ins Ausland reisen, meint Cesarano, «wir machen aber die Erfahrung, dass die Intensität eines Aufenthalts im Ausland für den Spracherwerb viele Vorteile bringt. Neben dem eigentlichen Unterricht kommt die tägliche Anwendung der Sprache bei der Gastfamilie und im Alltag dazu. Es geht also um den authentischen Spracherwerb abseits vom Lehrbuch und das Leben der Sprache.»


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG


(Erstellt: 19. Oktober 2017)

Top Weiterbildungsanbieter

Zum Anbieterportrait
Zum Anbieterportrait
Zum Anbieterportrait
Zum Anbieterportrait
Zum Anbieterportrait
Zum Anbieterportrait