Ambiance und Funktion, Technik und Ästhetik

Als Innenarchitektin setzt Cornelia Haupt-Schranz gezielt Farben, Materialien und Licht ein, um jedem Raum das richtige Ambiente zu verleihen. Dazu brauche es Kreativität, aber auch Mut, findet sie.

Bei der Renovation des Schweizerischen Sozialarchivs redete auch die Denkmalpflege mit.

Bei der Renovation des Schweizerischen Sozialarchivs redete auch die Denkmalpflege mit.

von Monika Bachmann


Sie ist nicht gerade das, was man sich unter einer Technikerin vorstellt: Cornelia Haupt-Schranz beschäftigt sich nämlich weniger mit Kabel und Leitungen als vielmehr mit Stimmungen und Atmosphären. Die 41-Jährige hat an der Baugewerblichen Berufsschule Zürich (BBZ) ein Diplom als Technikerin HF in der Fachrichtung Innenarchitektur erworben. Sie sitzt an ihrem Arbeitsplätz und vertieft sich gerade in das Konzept, das sie für eine Zahnarztpraxis entwirft.


«Das Ambiente muss eine gewisse Wärme ausstrahlen», sagt sie. Deshalb setzt Cornelia Haupt-Schranz in diesem Fall auf textile Elemente wie etwa Vorhänge im Wartezimmer. Und sie plant Lichtkörper ein, die den Räumen die gewünschte Atmosphäre verleihen. «Die Beleuchtung ist ein wichtiges Gestaltungselement», erklärt sie.


Unterschiedliche Interessen


Was auch immer die Inhaberin von Radius Innenarchitektur entwirft, sie hat stets dasselbe Ziel vor Augen: «Ich suche nach optimalen Lösungen, damit sich die Nutzerinnen und Nutzer der Räume wohl fühlen und die Funktionalität gewährleistet ist.» Während der berufsbegleitenden Ausbildung an der BBZ hat sie sich eingehend mit dem Zusammenspiel von Farben, Materialien, Licht, Akustik und der Raumaufteilung auseinandergesetzt. Die Voraussetzungen dazu waren gut, denn die Bernerin hat ursprünglich eine Lehre als Dekorationsgestalterin im Warenhaus Loeb absolviert. Später arbeitete sie bei Swatch, wo sie sich Kenntnisse in den Bereichen Ladenbau und visuelle Verkaufsförderung aneignete.


Diese Erfahrungen fliessen nun ein, wenn Cornelia Haupt-Schranz Pläne für Büroräumen, Geschäfte oder öffentliche Bauten entwirft. Bei der Realisierung berücksichtigt sie in erster Linie die Wünsche der Kundinnen und Kunden. Doch auch die Interessen von Dritten sind in manch einem Projekt massgebend. «Ich arbeite häufig mit Architekten und bei geschützten Objekten auch mit der Denkmalpflege zusammen.» So zum Beispiel bei der Renovation des des Schweizerischen Sozialarchivs in Zürich, mit welchem die Fachfrau betraut war.


Im Arbeitsalltag braucht die Innenarchitektin manchmal einen langen Atem, denn es kann dauern, bis ein Projekt genehmigt, von den zuständigen Instanzen bewilligt und somit realisierbar ist. So etwa beim Kipferhaus, einem Gemeinschaftszentrum in Hinterkappelen BE, das nach einer dreijährigen Planungsphase nun umgebaut werden kann. Endlich wird aus der Täfer- eine Gipsdecke, der knarrende Boden wird saniert, und ein zeitgemässes Farbkonzept verleiht den Wänden neue Frische. Auch die passende Beschriftung der Innenräume, im Fachjargon Signaletik genannt, gehört zum Metier von Cornelia Haupt-Schranz. Eine wichtige Referenz ist für die Innenarchitektin deshalb die Identität der Organisation oder des Unternehmens, für welche sie arbeitet: «Bevor ich ein Konzept entwickle, beschäftige ich mich eingehend mit der Corporate Identity.»


Kreatives Potenzial


Weil kein Projekt gleich ist wie das andere, müsse man als Innenarchitektin eine gewisse Lernbereitschaft haben, findet Cornelia Haupt-Schranz, die übrigens im Nebenamt an der Berufsschule für Gestaltung Zürich und der Gewerblich-In-dustriellen Berufsschule Bern als Dozentin arbeitet. Vor allem aber seien innovative Leute mit Stil gefragt, die auch den Mut hätten, ihre eigene Linie mal zu durchbrechen. Wer diesen «Weitwinkel und ein kreatives Potenzial» mitbringe, sei in diesem Beruf am richtigen Platz. Diese ästhetisch-künstlerische Seele will genährt sein. Cornelia Haupt-Schranz holt sich Inspiration bei Berufskolleginnen, bei ihren Schülerinnen und Schülern oder in der Berner Ateliergemeinschaft, wo sich ihr Arbeitsplatz befindet. Die richtig guten Ideen fallen ihr aber meist dann zu, wenn sie nicht ans Arbeiten denkt: zum Beispiel vor dem Einschlafen.


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG


Weiterführende Informationen:
berufsberatung.ch


(Erstellt: 2. September 2017)

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