Dirigent des Hochbetriebs

Manuel Egger koordiniert als Bauleiter die Arbeiten von bis zu 40 Firmen pro Baustelle. Dabei muss er Qualität, Kosten und Termine im Auge behalten und auch mit Unvorhergesehenem fertig werden.

Manuel Egger: Der Bauleiter steht in dauerndem Austausch mit Architekten, Fachplanern, Vorarbeitern und Bauherren.

Manuel Egger: Der Bauleiter steht in dauerndem Austausch mit Architekten, Fachplanern, Vorarbeitern und Bauherren.

von Karin Meier


Manuel Egger betritt den Rohbau auf einer Grossbaustelle in Uzwil SG, aus dem eine Behindertenwerkstätte werden soll. An einer Wand hängt ein mehrere A4-Seiten umfassender Plan. Auf ihm hat Manuel Egger auf den Tag genau angegeben, welche Firma wann welche Arbeiten verrichten muss. «Auf einer Baustelle sind Mitarbeitende von bis zu 40 Firmen im Einsatz. Ihre Arbeiten müssen in einer bestimmten Reihenfolge durchgeführt werden. Zum Beispiel kann ein Gipser eine Wand erst dann verschliessen, wenn der Sanitärinstallateur die Anschlüsse gemacht hat. Solche Abhängigkeiten gibt es zu Hunderten. Deshalb müssen die Einsätze aller Beteiligten genau aufeinander abgestimmt werden.»


In den nächsten Monaten wird er den Plan noch verfeinern. Zum einen heisst es, Unwägbarkeiten wie lange Regenphasen oder nachträgliche Wünsche der Bauherrschaft zu berücksichtigen. Zum andern geht bei allem Auge fürs Detail auch mal etwas vergessen: Zu spät bestelltes Material mit langer Lieferfrist etwa kann die Einsatzpläne über den Haufen werfen. «In einem solchen Fall berufe ich eine Besprechung ein und schaue, wie wir das Problem bewältigen können. Es findet sich immer eine Lösung», sagt Egger.


Menschen statt Mathe


Der Kontakt zu Menschen war ein Grund, warum sich der 30-Jährige für eine Tätigkeit als Bauleiter entschied. Nach seinem Bachelorstudium zum Bauingenieur berechnete er zunächst die Statik von Gebäuden. Da er dies allein und vom Schreibtisch aus tun musste, fehlte ihm der Austausch mit andern. Zudem war ihm die Arbeit zu einseitig, da er sich nur mit einem Aspekt eines Gebäudes befasste. Manuel Egger übernahm deshalb Bewehrungsabnahmen auf Baustellen, Baueingaben und anderen Aufgaben, die ihn Richtung Bauleitung führten.


«Mich reizte an der Funktion des Bauleiters, dass man ein Projekt vom Spatenstich bis zur Schlüsselübergabe und der Fertigstellung der Umgebungsarbeiten leiten kann. Diese Arbeit ist vielfältig, denn man muss Termine und Kosten im Griff haben und die Qualität sicherstellen. Zudem steht man in dauerndem Austausch mit Architekten, Fachplanern, Vorarbeitern und Bauherren», sagt Egger. 2016 wechselte er als Bauleiter zur Firma Eggel und Partner. Das Baumanagementbüro ist auf Bauleitungen für grössere Gebäude spezialisiert und im Raum Zürich und Ostschweiz tätig.


Drei Baustellen gleichzeitig


Als Bauleiter betreut Egger momentan drei Baustellen gleichzeitig: neben dem Neubau der Behindertenwerkstätte der Umbau eines Hotels in Uzwil bei laufendem Betrieb und der Neubau eines Mehrfamilienhauses mit 14 Wohnungen. Allerdings darf sich immer nur ein Projekt in der rund zweimonatigen Intensivphase vor der Fertigstellung befinden. In dieser Zeit ist Manuel Egger täglich der erste, der auf die Baustelle kommt, und der letzte, der geht. «Gegen das Ende hin sind am meisten Arbeiter auf einer Baustelle. Mit ihren Vorarbeitern stehe ich in fast dauerndem Kontakt. Und wenn man von anderen erwartet, dass sie sich ins Zeug legen, muss man präsent und erreichbar sein.»


Auch Durchsetzungsvermögen ist in dieser Zeit noch mehr als sonst gefordert: Damit ein Gebäude termingerecht fertig wird, müssen die beteiligten Firmen genügend Mitarbeitende einsetzen. Gerade bei Einsatzverschiebungen kann es vorkommen, dass sie bereits woanders eingeplant sind. «In einer solchen Situation muss ich dafür sorgen, dass es auf der Baustelle weitergeht», sagt Manuel Egger. In Zeiten des Hochdrucks arbeitet er 60 Stunden pro Woche. Abschalten ist dann nicht immer einfach: Zuweilen beschäftigt ihn eine Baustelle gedanklich bis spät in die Nacht. Doch auf die Stressphasen folgen ruhigere Zeiten, in denen Manuel Egger auch einmal einen Tag frei nehmen kann. Und im Winter erholt er sich bei einem langen Urlaub.


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage BILDUNG


Weiterführende Informationen:
berufsberatung.ch


(Erstellt: 1. September 2017)

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