Lehrabbrüche können verhindert werden

Die Probleme, die sich während der EBA-Grundbildung ergeben, unterscheiden sich nicht stark von denen einer Lehre mit einem Fähigkeitszeugnis als Abschluss. Die vermittelte Grundeinstellung zur Arbeit spielt eine Rolle.

Von Regula Zellweger


«Schon wieder Montag!» «Endlich Feierabend!» «In den Ferien findet das Leben statt!» «Der Chef spinnt mal wieder!» Solche hingeworfenen Sätze prägen wie kleine Gifttropfen die Seele von Kindern. Arbeit wird schliesslich negativ konnotiert. Und dann wundert man sich, wenn Jugendliche keine Lust auf die Berufswahl und den Berufseinstieg haben, und den Wechsel von der Schule in die Arbeitswelt nicht schaffen.


Berufswahl ist kein Zusammensetzspiel von Mensch und Beruf – es ist ein Prozess der Persönlichkeitsentwicklung, Reinhard Schmid, Berufsberater und Autor, bringt es auf den Punkt: «Eine gute Berufswahl ist in erster Linie eine Frage der Persönlichkeitsentwicklung der Jugendlichen. Dabei sind alle Akteure, die Jugendliche begleiten, gefordert. Selbst wenn Berufswahl als Familienprojekt verstanden wird, sind heute die meisten Jugendlichen auf Unterstützung der Schule angewiesen. Dabei geht oft vergessen, dass viele Informationen und Schnupperlehren erst zielführend sein können, wenn Eltern und Jugendliche die Thematik Berufswahl ganzheitlich erarbeitet haben. Entscheiden können sich Jugendliche, wenn sie die eigene Persönlichkeit realistisch einschätzen und die Anforderungen der Ausbildungen kennen. Eine wichtige Vorarbeit, die zuerst geleistet werden muss.»


Manuela Bruggisser engagiert sich freiwillig als Coach für Job Caddie Zürich im kostenlosen Mentoring-Programm für junge Erwachsene zwischen 17 und 25 Jahren. Inhalte der Coachings:


• Bei Lehrstellenabbruch oder Lehrstellenverlust eine Anschlusslösung finden.
• Lehre abgeschlossen, aber im «falschen» Beruf: Wie weiter?
• Demotivation, Frustration, Prüfungsängste, Konflikte mit dem Lehrmeister, Leistungstiefs.


Beim Coaching setzt Manuela Bruggisser auf Selbstreflexion, Aufbau und Stärkung von Kompetenzen zur Selbststeuerung, Übernahme von Eigenverantwortung, zielorientierte Kommunikation, Arbeiten mit Wenn-Dann-Plänen und Zieldefinitionen, Förderung von Konfliktfähigkeit und Frustrationstoleranz – und vor allem arbeitet sie nicht problem-, sondern ressourcen- und lösungsorientiert und das mit viel persönlichem Engagement und Kreativität.


Bewältigung von Krisen


Ernesta von Holzen, Psychologin bei den Aargauer Beratungsdiensten ask!, unterstreicht die Vielfältigkeit von möglichen Problemen während der Grundbildung: «Die psychischen, familiären und betrieblichen Schwierigkeiten der Jugendlichen, welche die Beratung des Jugendpsychologischen Dienstes in Anspruch nehmen, unterscheiden sich hinsichtlich der Art der Berufsausbildung nicht. In dieser Phase geht es um Identitätsentwicklung, Förderung des Selbstwerts sowie Bewältigung von adoleszenten Krisen.» Von den Unternehmen wünscht sie sich mehr Angebote von guten EBA-Lehrstellen. «Ich erachte es als wichtig, dass Lernende so unterstützt werden, dass sie einen guten Selbstwert entwickeln können. Dass sie gelobt werden, dass sie ihren Fähigkeiten entsprechend gefördert werden, dass sie ernst genommen werden, dass man auf sie eingeht, dass Anweisungen und Erklärungen klar und mit Geduld vermittelt werden.»


Unternehmen, die EBA-Lehren anbieten, sind lobenswert. Guter Wille reicht aber nicht immer. Eine HR-Verantwortliche berichtet: «Wir haben festgestellt, dass in unserem Forschung- und Entwicklungsunternehmen zu wenig Routinearbeiten anfallen. Die schulischen und betrieblichen Herausforderungen waren zu gross, der Wechsel alle sechs Monate zu rasch. Wir denken, dass sich bei einfacheren und nicht ständig wechselnden betrieblichen Abläufen eine Routine entwickeln kann, welche den EBA-Absolventen ein betriebliches Erfolgserlebnis bietet, wenn es in der Schule schwierig ist. Das steigert die Motivation. Bei uns ist Englisch die Arbeitssprache – eine zusätzliche Herausforderung.»


Damit eine EBA-Grundausbildung erfolgreich verlaufen kann, müssen viele Faktoren stimmen. Schafft aber ein junger Mensch über eine EBA-Lehre seinen erschwerten Eintritt in die Arbeitswelt, wirkt sich das oft positiv auf seine gesamte Zukunft aus.


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage «Bildung»


Weiterführende Informationen:
www.jobcaddie.ch


(Erstellt: 30. April 2017)

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