Talent, Wille und Opferbereitschaft

Angehende Spitzensportler müssen ihre Bildung nicht mehr unbedingt auf später verschieben. Die Auswahl an Ausbildungsstätten, die Training und Schule aufeinander abstimmen, ist inzwischen ziemlich breit.

Von Jean-Claude Galli


Spitzensportler wie Roger Federer und Stan Wawrinka, die dank ihrem ausserordentlichen Talent bereits im Teenageralter ins Profilager wechselten und eine weiterführende Ausbildung auf einen späteren Lebensabschnitt hin verschieben konnten, sind in der Schweiz dünn gesät. Das gilt auch für Fälle wie jene von Fabian Kauter, Nicola Spirig oder Hürdenläuferin Noemi Zbären, die die Doppelbelastung durch Leistungssport und Gymnasium/Universität individuell bewältigten.


Gerade die Leichtathletik zeigt die Komplexität des Themas «Leistungssport versus Schule und Berufslehre» besonders eindrücklich auf und belegt, dass Verallgemeinerungen kaum möglich sind und einheitlich gültige Modelle nicht existieren. Im Gegensatz zum Eiskunstlauf oder Kunstturnen beispielsweise, wo die Leistungsspitze bereits früh erreicht wird, wachsen die Umfänge der Leichtathleten im Bereich des Disziplinentrainings erst spät. Der Aufwand beträgt bei unter 14-Jährigen kaum mehr als acht Stunden pro Woche; «erst danach geht die Post richtig ab», sagt Isidor Fuchser, Nachwuchschef bei Swiss Athletics. «Gleichzeitig kommen die jungen Athleten in die Pubertät, die Rolle des Umfeldes und eine sorgfältige Karriereplanung können also nicht hoch genug taxiert werden. Daneben braucht es einen starken Willen und Opferbereitschaft, das nötige Talent einmal vorausgesetzt.»


Starke Verbesserungen


Bis zum Ende der obligatorischen Schulzeit lässt sich der Stundenplan gut mit einem ambitionierten Leichtathletik-Training verbinden. Swiss Olympic empfiehlt den Besuch einer Sportschule ab einem Wochenpensum von zehn Stunden. Die Auswahl an Ausbildungsstätten ist mittlerweile recht breit; «in den letzten 20 Jahren hat sich die Gesamtsituation erfreulicherweise stark verbessert», sagt Fuchser.


Neben den Label-Schulen von Swiss Olympic gibt es viele Angebote an Sportförderschulen sowie Sportklassen in herkömmlichen Schulen. Vereine mit Profi-Strukturen betreiben oft spezielle Engagements. So haben der BSC YB, SCB Future, SCB Eislauf und der Schwimmklub Bern zusammen mit dem Schulkreis Länggasse – Felsenau ein eigenes Modell mit drei Sportklassen auf der Sekundarstufe 1 entwickelt, das seit 2003 Talente fördert.


Besondere Bedingungen werden auch jenen Hoffnungsträgern angeboten, die statt der akademischen Laufbahn eine Lehre beginnen. Im Vordergrund steht der kaufmännische Bereich, doch kann Leistungssport ebenso mit einer handwerklichen Lehre kombiniert werden. Als Vorreiter in diesem Bereich gilt die Technische Fachschule Bern, die Ausbildung und Leistungssport aktiv vernetzt und eine eigene Koordinatorin einsetzt. «Wichtig ist in diesen Fällen nebst der Berufsschule die Aufgeschlossenheit der Lehrmeister und Betriebe den spezifischen Problemen der Athleten gegenüber», sagt Fuchser. So sind körperlich anstrengende Tätigkeiten im Freien und bei grosser Kälte einem idealen Formaufbau verständlicherweise eher abträglich.


«Schier totale Messbarkeit»


Am Ende ist die Frage entscheidend, wer eine Sportklasse besuchen darf respektive welcher Sportler über genügend Talent verfügt. Der einfachste Beweis für hinreichendes Potenzial in der Leichtathletik ist eine passende Wettkampfleistung, gespiegelt an der Schweizer Bestenliste. Zulänglich qualifiziert ist, wer in der jeweiligen Kategorie in den stärksten drei Prozent rangiert.


«Die schier totale Messbarkeit ist Segen und Fluch zugleich», sagt Isidor Fuchser. Wichtige Aspekte sind nämlich ebenso die unbedingte Bereitschaft des Athleten und seine kompromisslose Motivation, mentale Aspekte also, die die Leistung nebst dem Training stark beeinflussen. Viele Schulen halten sich an die Swissolympic-Talentcards, welche eine Vergleichbarkeit der Niveaus von verschiedenen Sportarten ermögli­chen. Talentcard-Holder – in der Leichtathletik rund 350 – haben somit oftmals die grössten Chancen auf einen Schulplatz.


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage «Bildung»


Weiterführende Informationen:
www.swissolympic.ch


(Erstellt: 29. April 2017)

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