Facebook für Alte – Snapchat für Teenager

Jugendliche kommunizieren und konsumieren fortlaufend Informationen und Bilder, vor allem auf Smartphones. Zudem lesen sie Gratiszeitungen. Doch für politisch vertrauenswürdig halten sie diese Informationskanäle nicht.

Von Artur K. Vogel


Jedes Jahr lässt die Credit Suisse ein «Jugendbarometer Schweiz» ausarbeiten. Für 2016 erschien im vergangenen Oktober die siebte Auflage. Ein Projektteam von GfS Bern unter Leitung des Politik- und Medienwissenschaftlers Lukas Golder hat die Studie ausgearbeitet. Sie kommt zum wenig überraschenden Schluss, dass «das Lebensgefühl der Jugendlichen in der Schweiz 2016 von den Entwicklungen und Möglichkeiten des Internets und der digitalen Welt im Allgemeinen bestimmt» ist.


Einer der Megatrends der letzten Jahre ist die Verbreitung von Smartphones. Diese beeinflussen den Medienkonsum und die Kommunikation von Jugendlichen massgeblich. Ständig kommen neue Tools und Applikationen auf den Markt, und «was dieses Jahr ‹in› ist, kann schon nächstes Jahr (…) ersetzt werden», so das «Jugendbarometer».


Diese Veränderungen bildet auch die jährliche Studie der Interessengemeinschaft Elektronische Medien (IGEM) ab, die soeben unter dem unhandlichen Titel «IGEM-digiMonitor 2016 (WEMF)» veröffentlicht worden ist. Die Studie zeigt, dass WhatsApp mit 69% und YouTube mit 64% Reichweite Spitzenreiter sind, während Face­book an dritter Stelle mit 46% zurückliegt. Die Reichweiten von Youtube und Facebook sind relativ stabil geblieben; WhatsApp hingegen weist eine Zunahme von 25% gegenüber dem Vorjahr aus. Und Snapchat, das 2016 zum ersten Mal ausgewiesen wird, erzielt bereits 10% Reichweite und folgt dicht hinter Twitter (11%).


Doch wenn man die einzelnen Altersklassem anschaut, verschiebt sich das Bild. Bei den Teenagern ist die Instant-Messaging-Plattform Whats­App flächendeckend im Einsatz (98% Reichweite); YouTube (89%), Instagram (77%) und Snapchat (73%) folgen. Das belegt laut der IGEM-Studie «die hohe Affinität der jüngeren Audience für Bewegtbild und visuelle Kommunikation». Facebook hingegen legt nur bei den über 40-Jährigen zu (+17%), verliert aber bei den unter 19-Jährigen an Attraktivität (-25%).


Wenig vertrauenswürdig


Beim Nachrichtenkonsum von Schweizer Jugendlichen sieht das «Jugendbarometer» zwei gegenläufige Tendenzen: «Eine steigende Anzahl Jugendlicher informiert sich ereignisaktuell mehrmals täglich. Dem gegenüber steht eine steigende Anzahl, die sich selten bis gar nie über das Tagesgeschehen informiert.» Dabei sind gedruckte Gratiszeitungen weiterhin die wichtigste Informationsquelle. Sie «verlieren jedoch an Attraktivität und Wichtigkeit».


Doch die Jugendlichen sind nicht kritiklose Konsumenten von Informations-Fastfood. Wenn man sie nach der Vertrauenswürdigkeit der politischen Information in den von ihnen bevorzugten Medien befragt, zeigen sie sich skeptisch (siehe Grafik). So halten nur 9% der befragten 16- bis 25-Jährigen Twitter für vollständig oder eher vertrauenswürdig; Facebook geniesst ganze 14% Glaubwürdigkeit; nur zwischen 27% und 31% halten YouTube, WhatsApp und den «Blick» bzw. Blick.ch für vertrauenswürdig. Und auch die meistgelesene gedruckte Zeitung, «20minuten», kommt nicht gut weg: 47% vertrauen ihr voll oder eher, aber 49% zweifeln an der Vertrauenswürdigkeit der Gratiszeitung.


Am meisten Vertrauen geniessen die etablierten Medien, obwohl sie von Jugendlichen weniger genutzt werden: 88% denken, dass die Radio- und TV-Sender von SRF mehr oder weniger vertrauenswürdig sind; es folgen die NZZ mit 71% und der «Tages-Anzeiger» mit 67% Zustimmung.


Der steigende Nachrichtenkonsum und die Möglichkeit für jedermann, sich in Diskussionen einzubringen, hat «den öffentlichen Diskurs verändert und neue Phänomene wie Alltagshelden, neue Protestformen, neue Finanzierungsmodelle für Kampagnen oder den digitalen Populismus hervorgebracht», heisst es im «Jugendbarometer». Dass man sich im Internet an Diskussionen beteiligen kann, betrachten Jugendliche prinzipiell als positiv, doch sie sind sich auch der Probleme wie Shitstorms, geballter Hass und digitaler Populismus bewusst.


«Überraschend gering», so das «Jugend­barometer», sei hingegen «das Wissen um das Verzerrungs- und Manipulationspotenzial im Netz». Und beim Thema Datenschutz im Internet falle auf, «wie hoch die Eigenverantwortung gewichtet wird und wie tief die Ansprüche an die anbietenden Unternehmen sind. Primär sieht sich jeder Einzelne selbst in der Verantwortung, seine Daten zu schützen. Es folgen Schulen und der Staat und erst dahinter die Anbieter.»


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage «Bildung»


(Erstellt: 28. April 2017)

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