Die Kunst verlangt Disziplin

Wer Berufsmusiker werden will, muss von Kindsbeinen an üben, lange studieren und oft bescheiden leben: Vier erfolgreiche Musikerinnen und Musiker erzählen, warum sie den Weg gegangen sind.

Von Irmgard Lehmann


Als sich Ilona B. in den 1970er-Jahren entschied, am Konservatorium Freiburg Musik zu studieren, war sie eine der wenigen, die versuchten, das Hobby zum Beruf zu machen. Nach bestandener Prüfung in der Berufsklasse Klavier erwarb sie drei Jahre später das Lehrdiplom: eine harte Zeit, denn neben dem Üben und dem Büffeln von Theorie mussten auch zwei kleine Kinder versorgt werden.

Ilona war mit 29 Jahren die älteste Studentin. Als Pianistin gründete sie ein Frauentrio und unterrichtete rund 15 Jahre am Konservatorium, bis eine Krise sie aus der Bahn warf. Der Einzelunterricht im engen Unterrichtszimmer machte ihr Mühe. Konzertbesuche verloren die Faszination. Zum Üben musste sie sich jeden Tag aufraffen. So entschied sie sich, den Musikerberuf an den Nagel zu hängen, und nahm ein anderes Studium auf.

Ein solcher Entscheid fällt keinem Musiker leicht. Zumal die Investition in die Ausbildung enorm ist und die Weichen bereits in der Kindheit gestellt werden müssen. Ilona lernte schon mit 7 Jahren Klavierspielen und blieb dem Instrument auch als Primarlehrerin treu.


Der Traum von der Karriere


Wer sich zum Musiker berufen fühlt, braucht für das tägliche Üben Diszi­plin und Durchhaltewillen. Kein Wunder, dass viele Jugendliche den Unterricht abbrechen, oft zum Leidwesen der Eltern. Doch nichts ist verloren. «Musik ist die beste Schule, das Leben zu erlernen, und zugleich das wirkungsvollste Instrument, ihm zu entfliehen», sagte einst der Pianist und Dirigent Daniel Barenboim. Musizieren verändere die Hirnstruktur, heisst es in Fachkreisen. Musizieren trainiere eine Reihe von Fähigkeiten wie Feinmotorik, Koordination, Gedächtnis und Einfühlungsvermögen. Bundesrätin Simonetta Sommaruga übrigens begann ihre Karriere am Konservatorium Freiburg als Klavierlehrerin und wurde Konzertpianistin, bevor sie in die Politik einstieg.

In der Schweiz gibt es sieben Musikhochschulen in Basel, Bern, Luzern, Zürich, Genf, Lausanne und Lugano sowie 450 Musikschulen, welche die Hoffnung auf eine steile Karriere nähren. Doch der Weg ist hart. Als Solist muss man mit Lampenfieber und Kritik umgehen können, und in einem Orchester ist die Konkurrenz aus dem Ausland gross. Unter den rund 100 Musikern der Tonhalle Zürich zum Beispiel kommen nur 45 Prozent aus der Schweiz. Für eine frei werdende Stelle gingen 100 bis 150 Bewerbungen ein, sagt Pressesprecher Christian Schwarz.


Begehrtes Studium


Doch was, wenn man nicht Or­chestermusiker werden kann? Viele bewerben sich für eine Lehrstelle an einer Musikschule. Doch Vollzeitstellen sind rar, und der Lohn ist, gemessen an andern akademischen Berufen, eher tief. Freischaffende Musiker hingegen quälen oft Existenzängste.

Trotzdem ist das Musikstudium begehrt. An der Hochschule der Künste Bern (HKB) zählt der Fachbereich Musik rund 470 Studierende. Für Graziella Contratto, die Leiterin des Fachbereichs, ist dies eine «sehr positive Entwicklung». An den Hochschulen sind die Studiengänge mit Bachelor- und Master-Abschlüssen vereinheitlicht. Dem zweijährigen Masterstudiengang folgt das Solistendiplom, das sich heute «Master of Arts in Specialized Music Performance» nennt.

Zur Vorbereitung der Eignungsprüfung bieten sowohl die HKB als auch die Hochschule der Künste Zürich (ZHdK) sogenannte Precolleges an. Das Aufnahmeverfahren an der HKB besteht dann aus einem theoretischen Teil mit Harmonielehre und Hörverständnis und einem praktischen Teil, in dem das Instrument beziehungsweise der vokale Vortrag geprüft werden. «An der HKB führen wir mit allen Kandidatinnen und Kandidaten auch ein persönliches Gespräch über Motivation, Ziel und Perspektiven», sagt Graziella Contratto.


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage «Bildung»


Weiterführende Informationen:
www.hkb-musik.ch


(Erstellt: 26. März 2017)

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