«Gigis» harte Realität

Skilehrer ist für viele nach wie vor ein Traumberuf. Doch die Wirklichkeit ist hart und unsicher, und «reich wird man nicht», sagt Marco Kuonen, der nicht nur Skilehrer ist, sondern auch seine eigenen Skis produziert.

Von AKV


Das Original, gesungen von der italienisch-französischen Sängerin Dalida, wurde 1974 ein Welterfolg: «Croqueur d'amour, l'oeil de velours comme une caresse. Gigi l'Amoroso.» Ines Torellis «Gigi vo Arosa» war, ein Jahr später, ein ziemlich harmloser Abklatsch. Doch er prägte nachhaltig unser Bild vom braun gebrannten Pisten-Beau und Frauenschwarm, dessen Tagesablauf auf den Brettern beginnt, in der Bar ausklingt und im Bett endet, und dort natürlich nicht allein. Torellis Gigi «bricht im März pro Stund es Härz», und es gibt «kei Frau im Ort wo Ehrewort nöd uf in stah tät».


Skilehrer sind Taglöhner


Marco Kuonen muss lachen, als die Thematik aufs Tapet kommt. «Ich habe von einigen lustigen Fällen gehört», sagt der 30-Jährige. Aber früher sei es wohl «viel schlimmer zu- und hergegangen als heute». Gerade die Schweizer Skischule in St. Moritz, für die er arbeitete, sei «sehr strikt». So sei es zum Beispiel bei Androhung einer Busse verboten, nach 19 Uhr noch im Skilehrer-Dress aufzutreten.

Doch wie wird man überhaupt Skilehrer? Wieso nimmt man die vergleichsweise hohen Kosten auf sich um das Skilehrerpatent zu erwerben? (Man muss realistischerweise mit rund 10 000 bis 12 000 Franken rechnen.) Etwas vom früheren Glamour dürfte dem Beruf wohl noch immer anhaften. Doch die Realität ist oft viel härter: Skilehrer sind Taglöhner; bezahlt werden sie nur für jene Stunden und Tage, an denen sie effektiv arbeiten. Das, meint Marco Kuonen, dürfte in grossen Stationen wie St. Moritz, Zermatt oder Verbier kein wirklich gravierendes Problem sein, in kleineren aber schon.
Auch in mondänsten Skiorten allerdings «wird man als Skilehrer nicht reich», sagt Kuonen, selbst wenn dort die Trinkgelder gelegentlich etwas grosszügiger ausfallen. Denn vielerorts gibt es ein Überangebot: In Zermatt etwa sind mehr als 500 Skilehrer und neun Skischulen registriert. «Vier oder fünf würde es ertragen», meint Ralph Schmidhalter, der eine von ihnen leitet.


Viele Aussteiger


Insider schätzen deshalb, dass ein Skilehrer mit einem Monatseinkommen von 3000 bis höchstens 5000 Franken rechnen darf, und das auch nur von Weihnachten bis März. Hat jemand erst einmal eine Familie, kann er von diesem Lohn oft nicht mehr leben. Viele steigen deshalb aus, sobald sie einen besser bezahlten Job gefunden haben, die meisten spätestens um die 30.
Auch Marco Kuonen arbeitete nur drei Winter voll als Skilehrer. Heute betreut er noch einzelne Stammkunden tage- und wochenweise, zum Beispiel über Weihnachten und Neujahr. «Einige ehemalige Kunden sind richtige Freunde geworden», erzählt er. Seine Laufbahn war wohl nicht typisch. Aber dann, sagt er, gebe es ohnehin keine «typischen» Skileh­rerlaufbahnen. Örtliche Handwer­ker,Bauern, Studenten aus dem Unterland, Sportlehrer, Frühpensionierte – unter Wintersportlehrern und -lehrerinnen finde man alle möglichen Berufe. Bei ihm war das väterliche Geschäft ausschlaggebend: Marco Kuonens Vater Aldo, ein Walliser, der sein ganzes Leben dem Skifahren widmete und unter anderem für Rossignol und Atomic tätig war, produzierte die AK-Skis. Sie seien «der Porsche unter den Skiern», titelte eine Zeitung.


Eigene Ski-Produktion


Für Marco war es früh klar, dass er in die Firma mit Sitz in Stansstad NW einsteigen werde. Er absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und ging nach der Rekrutenschule nach St. Moritz. Dort liess er sich zum Skilehrer ausbilden und arbeitete dann drei Wintersaisons lang in diesem Beruf, während er die Sommer im väterlichen Geschäft verbrachte.
Vor vier Jahren musste er dieses zusammen mit seiner älteren Schwester Francesca viel früher übernehmen, als ihnen lieb war: Ihr Vater war mit erst 60 Jahren an einem Hirntumor gestorben. Seither engagieren sich Bruder und Schwester (welche einst als Model arbeitete und bei der Miss-Schweiz-Wahl 2004 den dritten Platz erreichte) voll für die Firma. Sie entwickeln die «Rennskis für jedermann», vermarkten sie und betreuen die Kunden, vor allem spezialisierte Sportgeschäfte in mittlerweile sieben Ländern. Produziert werden die AK-Skis von Manufakturen in Italien und Frankreich.

Auch als Skihersteller wird Marco Kuonen nicht reich. Aber von den 2500 bis 3000 jährlich verkauften Paar AK-Skis können er und Schwester Francesca zumindest anständig leben, was nicht jeder Skilehrer von sich behaupten kann.


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage «Bildung»




Weiterführende Informationen:
www.snowsports.ch


(Erstellt: 18. Dezember 2016)

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