Sich zu bewerben heisst: für sich zu werben

Je mehr sich Jugendliche mit einem Beruf und einer Firma auseinandersetzen, desto überzeugender gelingt ihre Bewerbung und ihr Auftritt beim Vorstellungsgespräch.

    Von Nerina Gross


    Die Schnupperlehre dient den Betrieben, Jugendliche im Arbeitsumfeld kennenzulernen, und dauert in der Regel 3 bis 5 Tage. Besondere Beachtung wird dem Verhalten bei der Arbeit, dem Auftreten sowie der Motivation und dem Interesse geschenkt, was sich beispielsweise darin zeigt, ob Jugendliche Fragen stellen und über Beruf und Betrieb vorinformiert sind.

    Hinzu kommt, dass Betriebe in einer Schnupperlehre herausfinden wollen, ob es auf persönlicher Ebene zwischen dem Ausbildungsbetrieb und einem Jugendlichen «stimmt». Dies ist insbesondere für kleinere Betriebe sehr zentral.


    Tipps

  • Die Schnupperlehre ist heute häufig Teil der Lehrlingsauswahl. Daher ist es wichtig, dass sich Jugendliche bereits vor der Schnupperlehre mit dem Beruf und dem Unternehmen auseinandersetzen.
  • Vor einer Schnupperlehre können Einblickstage oder Informationsveranstaltungen erste Berufseindrücke geben.
  • Eine gute Rückmeldung aus der Schnupperlehre ist ein sehr wertvolles Zeugnis. Daher soll vom Ausbildner eine schriftliche Beurteilung verlangt werden, die anschliessend der Bewerbung beigelegt werden kann.

  • Worauf Ausbildner achten


    Auf die Frage, worauf Berufsbildner als Erstes bei einem Bewerbungsdossier achten, folgt oft die Antwort «auf den Gesamteindruck». Doch wie entsteht er? Durch das Foto im Lebenslauf, ein Titelblatt, die Anzahl Schnupperberichte, die Länge der Bewerbung?

    Auf Basis der Bewerbungsunterlagen treffen Betriebe eine Vorauswahl. Sie achten darauf, dass Bewerber/innen möglichst gut in das Anforderungsprofil des Berufes passen, wofür häufig Zeugnisse der 7. und 8. Klasse sowie Resultate aus Eignungstests (z.B. Multicheck, Basic-Check, Eignungstest des Berufsverbands) angeschaut werden. Grossen Wert schenken Ausbildner aber auch der Beurteilung des Arbeits- und Lernverhaltens der Jugendlichen. Gemäss einer Studie * beurteilen Berufsbildner (unabhängig von der beruflichen Richtung) bei der ersten Betrachtung eines Bewerbungsdossiers beispielsweise unentschuldigte Absenzen als besonders negativ.

    Bewerben heisst, für sich zu werben: Wer eine Lehrstelle will, macht quasi Werbung in eigener Sache. Das heisst aber nicht, alles schönzureden.


    Tipps

  • Eine vollständige, saubere und fehlerfreie Bewerbung mit einem freundlichen Foto hinterlässt einen guten Gesamteindruck.
  • Eine überzeugende Bewerbung ist kein Massenprodukt und sollte immer auch enthalten, warum sich jemand gerade bei diesem Betrieb bewirbt und was die Motivation für die Berufswahl ist. Unpersönliche Serien-Bewerbungen kommen schlecht an und werden vom Ausbildungsbetrieb in der Regel sofort erkannt.
  • Lehrbetriebe wünschen sich ehrliche, sympathische und motivierte Bewerbungen, die es ihnen möglich machen, die Person hinter der Bewerbung zu erkennen
  • Im Internet gibt es eine Reihe von Vorlagen, die für eine Bewerbung verwendet werden können u.a. aufberufsberatung.ch (staatlich) oder gateway-junior.org (privat).
    Aber: Die Vorlagen sind wie das Auflisten der Zutaten für ein Re­zept. Am Ende ist zwar alles enthalten, aber es fehlt die Würze. Der Koch ist der Bewerber! Er bestimmt die Gestaltung und das Besondere seiner Bewerbung.

  • Das Vorstellungsgespräch


    Hier ist vor allem gute Vorbereitung gefragt. Lehrbetriebe achten beim Vorstellungsgespräch vor allem darauf, ob sich Jugendliche bereits mit dem Beruf und der Firma auseinandergesetzt haben und überzeugend zeigen können, warum sie in den Beruf und die Firma passen. Es empfiehlt sich, vorgängig die Homepage der Firma zu besuchen und wichtige Informationen über die Dienstleistungen, Produkte, Organigramme etc. herauszuschreiben.
    Saubere Kleidung und höfliches Verhalten sind selbstverständlich; Kaugummi sowie Kopfbedeckung oder Kopfhörer gehören nicht zum Vorstellungsgespräch.


    Tipps

  • Ein motiviertes und informiertes Auftreten ist das Wichtigste beim Bewerbungsgespräch.
  • Folgende drei Fragen sollten vor dem Vorstellungsgespräch geklärt werden:
    1. Warum will ich diesen Beruf lernen?
    2. Warum bewerbe ich mich bei dieser Firma ?
    3. Warum sollte sich die Firma gerade für mich entscheiden?
  • Besonders negativ bewerten Ausbildungsbetriebe Ver­spätungen oder eingeschaltete Handys.

  • Quelle: Tages Anzeiger, Beilage «Bildung»


(Erstellt: 17. Dezember 2016)

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