Beweglich bleiben

Mitarbeitende über 50 werden oft zum «alten Eisen» gezählt. Wer diesem Schicksal entgehen will, muss sich permanent weiterbilden und auch Veränderungen akzeptieren.

Von Monika Bachmann


Was lebenslanges Lernen heisst, macht die Vizedirektorin des Eidgenössischen Personalamts gleich selbst vor. Mit über 50 Jahren absolvierte Gabrielle Merz Turkmani einen Master of Business Administration. Mit dieser Weiterbildung demonstrierte die Akademikerin nicht nur ihre Lust an der Herausforderung, sondern auch Lern- und Veränderungsbereitschaft: zwei Tugenden, die bei der Generation 50 plus besonders gefragt sind.

«Das Umfeld verändert sich heute unglaublich schnell», sagt Gabrielle Merz. Wer sich den ständig neuen Anforderungen stelle, habe in der Bundesverwaltung auch im Alter über 50 gute Karten, meint die HR-Expertin. Der Bund orte bei dieser Gruppe von Mitarbeitenden ein Potenzial und wolle im Rahmen der geltenden Personalstrategie die vorhandenen Möglichkeiten vermehrt ausschöpfen. «Sie bringen viel Wissen und eine breite Erfahrung mit», sagt Merz. Beim Bund sind heute rund ein Drittel aller Angestellten älter als 50.


Gut für die Kundenbeziehung


Ein ähnliches Generationenverhältnis zeigt sich bei anderen grossen Arbeitgebern. Bei der SBB liegt der Anteil der Mitarbeitenden über 50 bei 35 Prozent, bei der Berner Kantonalbank (BEKB) sind es 31,5 Prozent und bei der Lindenhofgruppe 26 Prozent. Im direkten Kundenkontakt seien ältere Mitarbeitende besonders wertvoll, da sie die Anliegen ihrer Generation sehr gut verstünden, sagt SBB-Mediensprecherin Franziska Frey. Auch bei der BEKB ist man sich bewusst, wie wertvoll die Pflege von langjährigen Kundenbeziehungen für das Geschäft ist. «Ältere und damit erfahrene Mitarbeitende spielen da eine zentrale Rolle», meint Thomas Gosteli, Leiter Personal und Bildung.

Gleichzeitig betonen alle Arbeitgeber unisono, dass für die Generation 50 plus grundsätzlich keine anderen Bedingungen gelten als für jüngere Mitarbeitende. Gefragt sind Persönlichkeiten mit hohem Fach- und Methodenwissen sowie Sozialkompetenz. Dazu kommt laut BEKB-Mann Thomas Gosteli eine weitere Schlüsselqualifikation, die mit zunehmenden Alter offenbar nicht mehr so ganz selbstverständlich ist: «Offenheit und Flexibilität, um sich auf Neuerungen einzustellen.» Oder anders ausgedrückt: «Veränderungsfreude».


Nicht stigmatisieren


Im Gesundheitswesen, wo der Fachkräftemangel immer wieder zu reden gibt, nehmen ältere Mitarbeitende eine zentrale Funktion in der Ausbildung der zukünftigen Generation wahr. Christopher Bertrand, Bereichsleiter Human Resource Management der Lindenhofgruppe, hält das Expertenwissen von erfahrenen Berufsleuten hoch: «Sie strahlen eine hohe Glaubwürdigkeit aus.» Doch wie sieht es mit der körperlichen Belastung aus in einem Beruf, der physisch grosse Anstrengungen mit sich bringt? «Man sollte nicht automatisch davon ausgehen, dass man ab einem bestimmten Alter Defizite hat», kontert der HR-Chef. «Auch die Belastbarkeit der Jungen ist im Arbeits­alltag ein Thema.» Es sei falsch, eine bestimmte Altersgruppe zu stigmatisieren. Die Lindenhofgruppe geht deshalb gemäss Christopher Bertrand «personenspezifisch» vor. Wird beispielsweise die Belastung durch die jahrelange Schichtarbeit zu gross, sucht man nach einer internen Lösung. Insgesamt fällt allerdings der geringe Anteil älterer Pflegepersonen in den Spitälern auf.


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage «Bildung»



(Erstellt: 16. Dezember 2016)

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