Der Schreiner – dein IT-Spezialist

In vielen Handwerksbetrieben findet Digitalisierung nicht nur im Büro, sondern auch in der Produktion statt. Das macht diese Berufe interessanter. Schreiner, Metallbauer, Bäcker und andere müssen sich weiterbilden.

Ein Schreiner kann sich zum Projektleiter weiterbilden.

Ein Schreiner kann sich zum Projektleiter weiterbilden.

Von Christine Nydegger


Für die Handwerksbetriebe ist die Digitalisierung momentan ein Riesenthema. Es gilt dabei öfter betriebliche Entscheide zu fällen. Setzt ein Betrieb hochtechnisierte und computergesteuerte Maschinen ein, müssen die Stückzahlen der so gefertigten Metall- oder Holzteile höher sein. Eine Spezialisierung liegt auf der Hand.


«Das ist im Schreinergewerbe im Trend. Viele spezialisieren sich im Küchen- oder Fensterbau oder werden zu Zulieferfirmen für ganz bestimmte Holzteile», sagt Daniel König, der im Gümligen eine Schreinerei betreibt und den Stadt Bernischen Schreinermeisterverband präsidiert. Für seinen Betrieb aber komme eine solche Spezialisierung nicht in Frage. «Ich möchte auch in Zukunft ein vielfälliges Angebot haben», sagt er.


In seiner Schreinerei arbeiten zwölf Schreiner und zwei Lehrlinge. Es entstehen Möbel, Küchen, Türen und Fenster. Auch im Bereich Innenausbau ist die Schreinerei König ­aktiv. In Zusammenarbeit mit der Denk­malpflege ist der Schreiner ­König auch an Umbauten und Sanierungen von alten Häusern beteiligt. Trotzdem steht eine computergesteuerte Fräsmaschine in der Werkstatt. Die Bearbeitungsmasse werden allerdings noch von Hand «itöggelet». «Aber der Nachbarsbetrieb hat eine CNC-Maschine, für welche die Masse direkt und digital vom Zeichenprogramm überführt werden können. So können Synergien genutzt werden», erklärt König. Das aber bedeute, dass auch König ab und zu grössere Aufträge brauche: Zum Beispiel mehrere gleiche Küchen oder Türen für ein Mehrfamilienhaus. Denn das ergibt viele Teile mit identischen Massen. «Die können wir dann auf dieser Maschine fertigen.» Für Einzelteile rentiere das Programmieren einer CNC-Maschine in der Regel nicht.


Vom Schreiner zum Projektleiter


In der Schreinerei König in Gümligen sitzt Beat Bieri vor dem Computer und zeichnet mit einer Branchensoftware gerade eine Türe. Bieri hat die Weiterbildung zum Schreiner-Projektleiter absolviert. Sein Pendant in Wädenswil heisst David Lattmann. In der Werkstatt der Firma Stalder AG stehen zwei CNC-Maschinen. Auch in diesem Betrieb werden vor allem grössere Stückzahlen so produziert. «Bei komplizierten Formen geben wir die Daten direkt vom Planungstool in die Maschine ein.» Im Fall von einfacheren Formen gehe das Programmieren von Hand schneller, sagt Lattmann. «Wir haben drei Schreiner, die auf diesen Maschinen ausgebildet sind», sagt Daniela Stalder, die administrative Leiterin des Betriebs.


Ähnliches in Metall


Dass es nicht immer eine ausserbetriebliche Ausbildung sein muss, zeigt das Beispiel von Rico Meroni, der an einer CNC-Maschine einen Teil eines Empfangskorpus programmiert. «Ich habe mir das selber beigebracht. Einfach, weil ich es spannend finde», sagt er. Es gibt aber auch Kurse im Schreiner-Ausbildungszentrum auf dem Bürgenstock. Meronis Kollege Stefan Schanz hat seine CNC-Ausbildung dort erhalten und arbeitet jetzt vor allem an der kleineren Maschine bei der Stalder AG. Auch hier werden Lehrlinge ausgebildet, zurzeit sind es zwei. Das Thema ist dasselbe; das Material ist anders, wie ein Besuch in der Abteilung Metallbau der Firma Senn AG in Oftringen zeigt. Vom Geländer in Stahl bis zur komplexen Glasfassade entstehen Bauteile nach Mass. «Auch wir beschäftigen uns stark mit der Digitalisierung», sagt Thomas Achermann, Betriebsleiter Metallbau. Mit dem Building Information Modeling (BIM) würden Bauprojekte mittels digitaler Erfassung und Vernetzung aller Daten ausgeführt.


Die gesamte Projektplanung wird hier für alle beteiligten Handwerker, Metallbauer, Installateure, Schreiner, digitalisiert. «Alle Abläufe bis zur Rechnungsstellung werden digital erstellt und über zentrale Server geteilt.» Doch «das Zusammenbauen der Bauteile und die Montage vor Ort wird ganz sicher Handarbeit bleiben», glaubt Achermann. Er ist überzeugt, dass die Computerisierung die Arbeit eines Metallbauers vielseitiger macht. «Sie ist eine Herausforderung, und die Leute müssen am Ball bleiben». In der Senn AG werden unter anderen CNC-Bearbeitungscenter, Schweiss-Roboter und Laseranlagen eingesetzt.


Vom Backzettel zum Brot


Holz, Metall – und Brot. Auch in den Backstuben ist das digitale Zeitalter angebrochen. Immer öfter produzieren Bäckereien in Backzentren und verkaufen in verschiedenen Filialen. Etwa die Bäckerei Glatz in Bern: Brote, Gipfeli, Stückli und Pralinen werden an der Weyermannstrasse hergestellt und in sechs Filialen verkauft. Die Filialleiterinnen bestellen die Ware per Computerprogramm.


Wenn die Bäcker am frühen Morgen ihren Dienst antreten, finden sie auf dem Bildschirm neben der Zeiterfassung die Backzettel für den aktuellen Tag. Werden darauf 100 Berliner verlangt, rechnet der Computer auch gleich aus, dass dafür sieben Kilo Teig nötig sind. Bei verschiedenen Produkten sind auch die Rezepturen im Computer hinterlegt. Auch bei der Backofen-Strasse hat die Technik Einzug gehalten. Ein Knopfdruck, und ein Ofen ist für das Backen von Früchtekuchen eingestellt. Aber es brauche trotzdem Erfahrung, sagt Produktionsleiter Bruno Marthaler. Denn da spiele auch die Grösse der Kuchen eine Rolle und es müsse ­manuell nachgebessert werden. 12 bis 15 Bäcker-Konditor-Confiseure arbeiten bei Glatz. Dazu vier Lernende. Diese haben in der ersten Zeit ihrer Ausbildung ab Computer-Programm alle Hygienevorschriften zu lernen. Auch in dieser Hinsicht ist die Digitalisierung Tatsache.


Quelle: Tages Anzeiger, Beilage «Bildung»


Weiterführende Informationen:
www.traumjob-schreiner.ch


(Erstellt: 10. Oktober 2016)

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